Sonntag, 9. September 2012

09. September 2012 - getrennte Wege

Als ich morgends aufstand, hatte ich nicht einmal den blassesten Schimmer, was für Aufregung mir noch bevorstehen würde.
Das Wochenende ansich verlief ruhig. Ich war Freitags zum "MC Tonkawa" gefahren, weil der Club zur grossen Party geladen hatte. Es tat gut, die verschiedenen Leute zu sehen; mit ihnen zu feiern und zu tratschen.
(Anm.: an diesem Wochenende habe ich meinen (mittlerweile Ex)Schatz näher kennen- und lieben gelernt)
.....
Nachdem nach einem ausreichenden Frühstück packte ich die Sachen zusammen, um sie auf's Motorrad zu verstauen. Mittlerweile hatte ich Übung darin, wie man am Schnellsten die Isomatte, das Zelt und den Schlafsack in die grosse Gepäckrolle verstaut. Da es im September schon fröstelig sein kann, hatte ich mich dazu entschieden, die Koffer an den Träger zu machen, so dass ich noch ein paar dicke Klamotten mitnehmen konnte.

Gepackt und startklar stand ich da auf der Wiese; der Fazermotor machte sich bereit, um die 250km gen Heimat abzuspulen. Eine kleine Truppe vor mir liess sich noch etwas Zeit, doch dann otterten wir los.
Da der Zuweg zum Clubgelände mit Schotter und groben Steinchen gepflastert ist, war langsames Fahren angesagt, denn man wollte ja schliesslich sich nicht auf die Seite legen. [Hätte ich da schon gewusst, was noch auf mich zukommt, hätte ich diese Variante wohl vorgezogen!]

Schliesslich trennten sich die Wege der Truppe ("Celtic Knights") und mir, da wir in unterschiedliche Richtungen weiterfahren mussten. Gemütlich zog ich die Geschwindigkeit auf ca. 120 km/h (lt. Tacho) hoch; die Landstrasse war frei - schliesslich war Sonntag.
In Rheda-Wiedenbrück ging es dann für mich auf die Autobahn. Mein manueller Tempomat hatte sich auf 110-120 km/h eingependelt und so rollte ich die nächsten Kilometer entspannt vor mich hin. Doch lange sollte die Fahrt nicht mehr dauern. Höhe Gütersloh geschah das, was ich bis heute nicht nachvollziehen kann - der erste Unfall.
Nicht etwa ein leichter Wegrutscher oder sowas. Nein, ein richtig heftiger Bautz.
Während ich von der mittleren Spur auf die Linke zog, weil ich einen Überholvorgang einleitete, geriet mir das Vorderrad ausser Kontrolle. Das Motorrad pendelte sich derart heftig auf, dass ich es nicht mehr schaffte, Ruhe in den Vorbau zu kriegen. Binnen Sekunden stand für mich fest: hier trennen sich nun die Wege von "Eng'lchen" und mir!
Was und ob mir dabei etwas durch den Kopf ging, weiss ich nicht mehr. Selbst den Aufprall auf den Asphalt weiss ich nicht mehr bewusst. Mein Wissen setzt erst wieder ein, als ich rutschenderweise auf die rechte Körperseite routiere und es dort plötzlich sehr heiss wurde. Meine Gedanken diesbezüglich weiss ich noch: Holla, das brennt ja wie Feuer!
Nach etlichen Metern kam ich dann zum Stoppen; ich krabbelte sofort unter die Mittelleitplanke, denn schliesslich waren hinter mir ja auch noch Autos gewesen - normal auf ner Autobahn, nicht wahr.
Zum Glück kamen die langsam zum Stehen; wenn ich jedoch nicht unter die M.planke gekrabbelt wäre, dann wäre es schon eng geworden. Nachdem alles schön artig stand, kam auch schon der erste 'Fussgänger' zu mir gerannt. Kurzes Palaver, wie es mir ginge, ob ich Schmerzen hätte, ob ich mir das Aufstehen zutrauen würde, kam ich mit Unterstützung auf die Beine. Flugs hatten wir die linke Spur verlassen, so dass ich mich dann auf dem Standstreifen hinsetzen konnte - und der restliche Verkehr wieder durchstarten konnte.
Mein Blick glitt umher - und dann sah ich sie. Noch mit pockerndem Motor lag sie da auf der Seite; zeigte mir den Rücken und mockerte weiter. Ich stand auf (unter verwunderten Blicken); ging zu ihr und drehte erstmal den Zündschlüssel um, so dass sie mit einem leisem Rasseln erstarb.
Schliesslich wurde ich zu einem Wagen gebracht, wo ich erstversorgt wurde. Irgendwann traf dann auch der Kranken-/Rettungswagen ein, so dass ich in die routinierten Hände einer Notärztin übergeben werden konnte.
[Anm: meinen Ersthelfern einen ganz lieben Dank, auch wenn sie es nicht lesen können. Mit einer ungewöhnlichen Ruhe haben sie mir geholfen, dass mein Schock mich nicht irre werden liess.]

Die ersten Sätze, die ich mit der Notärztin wechselte, ging natürlich darum, ob ich wisse, was passiert ist und wie ich denn heisse. Halt das Übliche, wenn man in einen Unfall verwickelt ist.
Ganz nebenbei eröffnete sie mir, dass sie den Heli wegen mir schon in der Luft hatten - aber nun natürlich um so glücklicher sind, dass sie den wieder abbestellen konnten.
Es verging noch locker ne halbe Stunde (eine gefühlte Ewigkeit), ehe wir dann den Weg ins Krankenhaus angetreten sind. In der Zwischenzeit war auch die Polizei eingetroffen und hatte meine Aussage aufgenommen. Meine Maschine wurde aufgerichtet und auf den Standstreifen geschoben.
Alles Weitere musste dann der ADAC machen. Es war ein komisches Gefühl, zum ersten Mal von "Eng'lchen" getrennt zu sein.

Im Krankenhaus selbst wurde ich mit den Worten der Notärztin übergeben, dass ich scheinbar keine Brüche und/oder innere Verletzungen erlitten habe; dass ich klar im Kopf sei und der Schock relativ gut schon abgeklungen war.
Eine Truppe von Ärzten und Pflegerinnen kümmerte sich dann um mich; ich wurde zu diversen Untersuchungen gebracht, ehe dann feststand, was mir fehlte.


[Bilder Unfall folgen]


Ca. 2 Stunden später war alles vorbei; der Spuk hatte sich gelegt und ich hatte die Möglichkeit, entweder noch eine Nacht dort zu bleiben oder aber schon am Sonntag nach Hause zu 'gehen', wenn ich denn wen hätte, der die nächsten 48 Stunden auf mich achten würde. Tja, wie sollte ich das nun machen!? 200km von daheim fort..
Ich rief einen Freund an; er war erstmal geschockt, als er hörte, was passiert war. Aber dann sagte er sofort zu, dass er mich abholen kommen würde.
Die Wartezeit war schier unerträglich; ich versuchte sie mir mit SMS zu verkürzen. Aber so viel wollte ich dann auch wieder nicht schreiben; ich wollte niemanden nerven/stören.
Selbst bei RM, der ja quasi in der Nähe lebte, hielt ich mich knapp... schliesslich hatte ich ihn ja mehr oder weniger an dem Wochenende erst näher kennengelernt und wollte ihn nun nicht gleich so schocken.
[Anm.: wie sich später rausstellte, kam meine SMS, in der ich ihm schrieb, wo ich sei, eh zerstückelt an. Vorsehung??]

Gerd, mein Kumpelfreund, erschien dann endlich. Und zum ersten Mal konnte ich mich wieder entspannen; zum ersten Mal konnte ich meinen Tränen freien Lauf lassen, denn nun wusste ich, dass alles wieder gut wird.
Auf dem Rückweg haben wir dann noch bei "Eng'lchen" vorbeigeschaut, die Gerd auf dem Hinweg zum KH gesehen hatte. Den Tankrucksack, die Gepäckrolle und die Koffer nahmen wir ab - schliesslich wären die im Auto besser zu transportieren als auf dem ADAC-Sammeltransporter.
Kurz noch einige Formalitäten mit dem Vertragshändler geklärt und dann ging es auf vier Rädern gen Heimat.
Daheim angekommen zog ich mich gleich aufs Sofa zurück. Das Angebot von Gerd, ich könne bei ihm und Catrin bleiben, schlug ich aus. Ich wollte nur noch alleine sein. Ich wollte nachdenken.. und ich wollte trauern.


[Bilder verunfallte Fazer folgen]


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