Freitag, 16. Mai 2003

Erste Kilometer mit 'ihr' und Namensfindung (Erinnerung an die ersten Monate)

Wie im Beitrag "Wie ich zu "Eng'lchen" kam" schon beschrieben habe, erwarb ich Ende April meine FZS600 in blau.

Die ersten Touren sollten dezent über Land führen, um sich langsam aneinander zu gewöhnen. Denn im Gegensatz zum Gefühl, das ich im Laden hatte, kam mir die Maschine nun beim Fahren irgendwie bockig vor. Sollte ich mich so sehr getäuscht haben? Bisher hatte ich mich immer auf mein Bauchgefühl verlassen können. Hier nun nicht?
.....
Es sollten noch mehrere Touren ins Land gehen, ehe die Fazer und ich endlich einen Weg zueinander fanden.

Es begab sich, dass wir wieder einmal im Harz unterwegs waren. Mittlerweile hatte ich eine kleine Truppe namens "Bikerfrühstück" aufgetrieben, mit der man locker und entspannt fahren konnte, auch wenn Andi u. ich noch pure Anfänger waren.
Mit viel Entgegenkommen und Geduld wurde an Tipps u. Ratschlägen nicht gespart, wie wir unser Fahrverhalten noch verbessern können. Viele der gutgemeinten Tipps überforderten mich in der damaligen Situation noch.
Also klemmte ich mich hinter eine Motorradfahrerin, die auch eine Fazer fuhr. In den ersten Monaten sollte es sich herausstellen, dass sie mir eine gute Lehrerin sein sollte. Sie fuhr vorweg - ich fuhr ihr nach.

Und irgendwo -mitten im Harz- machte es dann plötzlich 'knack' in mir. Plötzlich hatte ich das Gefühl, als wenn ein Knoten geplatz wäre und ich auf einmal ein ganz anderes Gefühl für meine Fazer bekommen hätte.
2 lange Wochen des Zweifelns lagen hinter mir; Wochen, in denen ich nahe dran war, den Kauf rückgängig zu machen. Wochen, in denen ich den Tränen nahe war, weil irgendie n i c h t s  klappen wollte. All das, was ich damals in der Fahrschule auf der ER-5 gelernt hatte, hatte hier bei der Fazer irgendwie keine Gültigkeit mehr. Woran das lag? Hm, vielleicht an den unterschiedlichen Geometrien der Maschinen? Vermutlich. Der Vorderbau der ER-5 ist eher kurz gehalten, wohingegen die Fazer weit nach vorne ausbaut. Alleine der Tank unterscheidet sich schon massgeblich.

Jedenfalls ging es ab dem Tag stetig aufwärts mit uns. Jeder Kilometer, den wir gemeinsam rollten, machte Spass. Aber noch immer hatte die kleine Blaue keinen eigenen Namen. Der sollte dann auf einer Tour kommen, wo ich wieder mal gefahren bin wie der letzte Anfänger.
Ich war am mockern; ich war am motzen über mich selbst. Andererseits fiel mir bei der Fehleranalyse schon auf, dass die Fazer trotz ihres 95-PS-starken Temperamentes eine Engelsgeduld mit mir hatte. 
Und dann durchzuckte es mich: "Blauer Engel" - der Name war geboren.

Und bis heute sollte sich der Name bewahrheiten. Es gab anfangs unzählige Situationen, wo ich das Gefühl hatte, dass die Maschine eine Engelsgeduld mit mir hatte. Fahrfehler wurden -zwar mockernd- verziehen; Fazerchen hing immer willig am Gas und zog mit mir durch die Lande, ohne mich im Stich zu lassen.

Mitte 2003 bin ich dann einem Fazer-Forum bei, wo ich noch unzählige Kontakte Gleichgesinnter knüpfen konnte. Unter anderem ergab es sich, dass mein Eng'lchen dann endlich ihren Namen auch aufgedruckt bekam. In silbernen Lettern prangt ihr Namenszug nun am 'Hintern' :)

Mittlerweile sind gut 10 Jahre vergangen und ich habe mein treues Motorrad immer noch und denke nicht daran, es wegzugeben. Solange, wie die Fazer bei mir bleiben will, wird sie es tun.

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