Freitag, 26. September 2014

26. - 28. September - "Pack den Stier bei den Hörnern !"

Dem Titel geht eine längere Zeit vorraus. Im Grunde fing es schon vor 5 Jahren an, als ich mit Jemanden aus der sog. "Rockerszene" zusammen war.
(Anm.: Rockerszene ist nicht das richtige Wort hierfür, doch im Volksmund wird Vieles über einen Kamm geschert)
Damals lernte ich viele neue Leute kennen, die mir früher (als ich noch unwissend war) eher Angst gemacht hätten. Doch Jeder für sich, den ich kennenlernte, nahm mir auf seine/ihre Art u. Weise meine Angst. Ich fuhr immer öfter auf sog. Bikerpartys; ich gliederte mich sogar einem kleinen MF (Motorradfreunde) ein.

Letztendlich sollte es bei diesem MF nicht funktionieren. Die Ansprüche gingen zu weit auseinander und ehe man Gefahr lief, sich zu verzürnen, zog ich die Notbremse und stieg aus.
In der Zeit der Zugehörigkeit hatte ich bereits viele Freunde (männlich wie weiblich) gefunden. Ich fühlte mich wohl und fuhr deswegen auch "alleine" und clubfrei zu Bikerpartys.
Selbst in dieser Zeit zog ich die "naggische" Kutte nicht mehr aus. Sie war mir lieb u. teuer geworden; sie verkörperte für mich ein neu erlebtes Motorradgefühl/-leben, welches ich bis heute nicht mehr missen will.

Lebensabschnittsgefährten kamen u. gingen - (die Kutte und) die Freunde aus der sog. Rockerszene blieben. Wir erlebten gemeinsam mal mehr, mal weniger viele gemeinsame Partys u. Ausfahrten. Wir freuten uns, wenn wir uns sahen; wenn wir uns in den Arm fallen konnten und danach mit Schmackes das erste kühle Bierchen schnabbulierten.
Es wurde fleissig Benzin gequatscht; es wurden weitere Partys auserkoren, um diese zu besuchen.
Ich durfte -selbst als Clublose- mitfahren. Was heisst "ich durfte"? Ich sollte/musste sogar!

Seit Anbeginn dieser sog. Rockerkarrierre gab es Menschen, die mir im Laufe der Jahre nicht abspenstig wurden. Sie führten mich weiter in die Szene ein, selbst als ich kein Clubmitglied mehr war. Sie legten Wert auf meine Anwesenheit; auf meine Meinung und auch auf mein langsam wachsendes Wissen ob Motorradtechnik (jaaaha, auch Frauen verstehen sich auf dieses Thema).
Ich trank zum ersten Mal einen Veterano - und fügte dieses leckere Gesöff seitdem in den festen Bestand meiner Hausbar ein.
Ich fuhr in den Urlaub mit verschiedenen Clubmitgliedern - und genoss es in vollen Zügen.

Es kam eine Zeit, wo ich mich etwas zurückgezogen hatte. Ich wurde dennoch verstanden. Es wurde mir nicht die Freundschaft gekündigt. Nein, es wurde im ruhigen, ehrlichen Interesse nachgefragt, warum es sich so entwickelt hat.
Es gab viele ernste (und auch nicht so ernste) Gespräche.

Und es kam die Zeit, wo ich wieder zurückkehrte. Wo ich merkte, dass ich auf diese Gesellschaft einfach nicht verzichten kann..nicht will.

Während dieser gesamten Zeit gab es einige Leute, die mir immer nahe am Herzen waren. Namentlich möchte ich sie nicht nennen - Privatsphäre. Aber Diejenigen wissen drum, denn ich mache keinen Hehl daraus.

Was hat das Ganze nun mit dem Titel zu tun? Ganz einfach - es gibt einen MF, der den Veterano-Namen als Clubnamen gewählt hat. Dieser MF bzw deren Mitglieder liessen über die Jahre nicht locker, mich zu beobachten; mich direkt u. auch indirekt zu coachen.
Wir fuhren gemeinsam zu Partys; wir verloren uns nie aus dem Blick.
Und sie liessen nicht locker, mich immer mal wieder zu fragen, wieso ich nicht wieder einem Club (egal, ob nun MC oder MF) beitreten wolle.
Meine Beweggründe habe ich aufgezeigt; wir diskutierten oft u. lange darüber. Meine Argumente wurden durchaus verstanden; teilweise wurden sie auch durch konstruktive Gegenargumente aufgelöst.

Dann kam die Zeit des Nachdenkens; das Verarbeitens vieler Informationen u. Erlebnisse. Und es stand meinerseits eine Entscheidung an.
Sollte/wollte ich diesem MF beitreten?
Sollte/wollte ich mich (wieder) binden? Mich dem möglichen Gefühl, doch nicht zu genügen, aussetzen?

Es dauerte einige Zeit, bis ich meine Entscheidung hatte.
Wer mich kennt, der/die weiss, dass ich zu meinen Entscheidungen stehe, sobald ich sie kund getan habe.
Und meine Entscheidung ist: JA, ich werde mich diesem MF mit den liebenswerten Menschen anschliessen.
JA, ich werde die erste Zeit der sog. "Hans-Arsch" sein, der man sein 'muss', wenn man Probe/Prospect ist.
JA, ich werde diese Zeit überstehen - sie womöglich sogar mit der gehörigen Portion Humor auch geniessen.
Und JA - ich will ein vollwertiges Mitglied dieser Gemeinschaft werden/sein/bleiben.

Wie schrieb Jemand, mit dem ich mich sehr intensiv über dieses Thema auseinandergesetzt habe: "..für mich ist das der letzte Beweis einer engen, tiefen Gemeinschaft - Freundschaft und Verbundenheit. Der nun auch optisch für alle Anderen sichtbar wird. Es ist sozusagen die Sahne auf dem Erdbeerkuchen; der Schuß Veterano in der Cola oder die Majo auf der Pommes,...schmecken tut alles auch einzeln,...aber zusammen halt besser."
Diesen Worten habe ich nichts mehr hinzuzufügen *lächel*

Nun hast du, werter Leser dieses Blogs, dir mein langes Vorwort angetan.
Nun sollst du auch zum Hauptteil dieses Beitrages kommen.

Freitag um 12 Uhr habe ich auf Arbeit Feierabend machen können. Aus mehreren Gründen habe ich mich entschieden, mit dem Auto zum Treffen zu fahren. Nun mag so manch Einer vielleicht sagen, dass das dann ja nichts mehr mit einem ursprünglichem Bikertreffen zu tun hat - aber ich stehe da drüber.
Das Auto war vollgepackt mit allerlei Klamotten zum Wechseln, da ich aufgrund der bevorstehenden "Taufe" mit allem Möglichen rechnete.
Während der Arbeitszeit fielen mir noch unzählige Dinge ein, die ich vergessen hatte... letztendlich wollte ich aber auch nicht nochmal daheim vorbeifahren. Es musste als schon irgendwie klappen.

Pünktlich wie die Maurer machte ich also Feierabend; düste über die Autobahn bzw Landstrasse nach Hoheneggelsen, wo ein kleiner Platz mit Gartenhütte angemietet worden war, da die "Veterano's" kein eigenes Clubhaus besitzen.
Die meisten Vorbereitungen waren schon abgeschlossen; dennoch blieb noch genügend für mich zu tun, um mein Gewissen zu beruhigen.
Ab ca. 17 Uhr trudelten die ersten Gäste ein; zumeist handelt es sich um den sog. harten Kern, der auf Partys schon Freitags anreisten.
Nach u. nach füllte sich das Grundstück, welches etwas abgelegen vom eigentlichen Ort/Dorf lag.
Man hatte mich für Freitag u. Samstag für die Spätschicht eingeteilt; mit einigen Helfern zusammen sollte ich die Theke rocken :)
Gegen ca. 21 Uhr wurde ich hinterm Tresen "hervorgelockt". Da ich ja wusste (hoffte), dass an diesem Wochenende die sog. Kuttentaufe (mein Einstieg als Probe in dem Club) anstand, hatte ich sofort die richtige Eingebung, dass es "losging". (Anm.: ich wusste ja vorher nicht, ob es am Freitag oder Samstag geschehen würde)
Nun, was soll ich sagen... ich wurde in den vorderen Bereich des grundstücks begleitet, wo u.a. ein Lagerfeuer prasselte - und daneben stand ein Planschbecken, von dem eine breitgrinsende Giraffe mich anstierte.
Meine beiden Clubbrüder packten mich und drückten mich rücklings ins Becken. Ich weiss nicht, was da alles drinne war - aber es fühlte sich eklig an und es roch wie frisch vom Viehhof. Der Geruch nach Gülle trieb mir fast die Tränen ins Gesicht, denn ich wusste, dass dieser Geruch so schnell nicht mehr aus der Kutte rausgehen würde. Nur Regenfahrten würden es im Laufe der Zeit mindern können - aber ganz verschwinden würde es nicht mehr.
Ich musste in dieser stinkenden Matschepampe nun suchen... das Rückenpatch suchen, welches die Auffnahme (zur Probe) bei den Veterano's symbolisieren soll. Natürlich fand ich ausser Steinen, alte Zeitungen und Unmengen an "Klopfern" (kleine Schnäpsken) NIX!
Als Aufmunterung wurde ich dann mit Mehl übergestäubt. Da ich nun natürlich echt scheisse aussah, dachten sie sich, dass man mich mit Sekt wieder ein bisschen "sauberduschen" könne.
In einem der 5 Behälter, in denen die unterschiedlichsten Dinge (Mehl, Sand, "Gülle", etc etc) waren, war u.a. auch das heissersehnte Patch. Gut in einem Müllbeutel verpackt habe ich es schliesslich gefunden; aus dem Beutel befreit und mit einem Jubelschrei in die Höhe gehalten.
Danach durften meine Clubbrüder u. -schwestern an meiner Schweinerei auch teilhaben, denn ich bin zu jedem Einzelnen hin, um sie zu umarmen.
Sollte ich vielleicht erwähnen, dass es arschkalt war? Und dass ich 2 Tage zuvor noch komplett ausgeknockt daheim mit Erkältung gelegen hatte? Nein, das verschweigen wir nun mal mit einem breiten Grinsen.

Nachdem ich nun das Herzstück gefunden u. noch andere Gäste (Freunde) umarmt hatte, wurde ich von Nicole geschnappt. Sie hatte ihr Auto so präpariert, dass ich -eingepackt in einen Müllsack- mitfahren konnte, damit ich wenigstens duschen gehen konnte.
Ich glaube, ich habe ne Dreiviertelstunde geduscht... das Badezimmer sah danach aus wie n Rinderstall *zwinker*.
Einigermassen sauber fuhren wir schliesslich wieder zum Partygelände zurück, wobei ich die feuchte u. somit immer noch stinkende Kutte im Fussbereich gehalten hatte, damit die Sitzpolster vom Auto nix abbekommen.

Das Planschbecken war in der Zwischenzeit schon "entsorgt" worden, damit manche Gäste nicht auf dumme Gedanken kommen würden. Man kann sich gar nicht vorstellen, was so ein kleines Planschbecken mit ekliger Brühe so alles an kindlichen Handlungen bei Erwachsenen zum Vorschein bringen kann *lach*.

Mein Freitag ging dann am Samstag in der Frühe gegen ca. 3 Uhr zuende...ich zog mich zurück.. ich wollte ein bisschen schlafen; ein bisschen Revue passieren lassen und etwas zur Ruhe kommen.
Gegen halb sieben war's das aber leider dann auch schon wieder, da ich putzmunter war. Mit müden Knochen (die werden irgendwie immer schwieriger "munter") kletterte ich unter meiner Decke hervr; reckte mich..und zog mir als Letztes die müffelnde Kutte über.
Ich half meinen beiden Clubschwestern beim Frühstücksbuffet mit, es aufzubauen. Eigentlich hatte ich keinen Dienst, aber ich dachte mir, wenn ich eh schon wach u. aufgestanden bin, dann kann ich auch unterstützen.
Nach u. nach krabbelten auch die Gäste aus ihren Federn u. Schlafsäcken.. gesellten sich mehr o. weniger munter zu uns; genossen das frische Frühstück, welches wir mit einem herzlichen Lächeln servierten.
Es lag eine entspannte Stimmung über dem gesamten Gelände; die Sonne vertrieb letztendlich die letzten Nebelbänke und ein herrlicher Tag startete voll durch.
Es wurde geplaudert; es wurde gelacht.

Gegen späten Nachmittag trudelten dann die weiteren Gäste ein. Der Samstag versprach -wie auch der Freitag- ein voller Erfolg zu werden.
Um es nun etwas kurz zu halten: es floss viel Bier und es wurden viele Mischungen gemixt; der Wikingerbraten u. die Bratwürste konnten gar ned so schnell gegrillt werden, wie sie verlangt wurden; die Friteuse produzierte Unmengen an Pommes Frites.
Die Party ging bis in die frühen Morgenstunden, so dass die Crew des "Frühstückdienstes" die letzten Feierwütigen noch begrüssen konnten.

Zeitsprung: nachdem alle nach u. nach ihre Schlafsäcke, Isomatten und Zelte verstaut hatten, ging das grosse Verabschieden los. Die Luft bebte aufgrund der grollenden Auspuffrohre der unterschiedlichen Motorräder.

Für uns "Veterano's" stand dann noch das Aufräumen an, doch mit vereinten Kräften schafften wir das selbstredend.
Anschliessend liessen wir das Wochenende ausklingen; man machte sich auf den Weg nach Hause, wo man erschöpft -aber zufrieden- in die Federfalle fiel.


Bilder: folgen noch, wenn alle zusammengesammelt sind.

1 Kommentar:

  1. Herzlich Willkommen in der großen Gemeinschaft von Brüder und Schwestern

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